Erfahrungsberichte über online Yoga in Corona-Zeiten

Yoga in Zeiten von Corona

Wenn die regelmäßige Yogastunde vor Ort nicht mehr stattfinden darf, bietet sich das an, was in Zeiten von Corona viele tun: Begegnung im digitalen Raum mittels Zoom, Webex, Skype oder diverser anderer Programme. Aber ist online Yoga wirklich eine Alternative für so etwas Privates wie Yoga? Schließlich macht es doch einen großen Unterschied, ob man Geschäftsdaten bespricht oder Anleitung für seine Bewegungen und Entspannung sucht, oder?

Mit Fragen wie diesen beschäftigen sich in Zeiten von Corona sicher viele, die gerade jetzt ihre wöchentliche Yogastunde vermissen. Darum habe ich diesen Beitrag geschrieben. Ich möchte euch ermutigen, es online zu versuchen. Und ich möchte dabei auf einen weiteren Vorteil der Feldenkrais-Strategie bei der Anleitung von Yogastellungen eingehen. Denn das trägt maßgeblich dazu bei, dass eine Anleitung nur mit Worten gelingt. Ganze nebenbei lenkt es den „Blick“ nach innen und bereitet so den Weg für das, was man Achtsamkeit nennt.

 

Online Yoga

Lange war ich skeptisch. Sollte ich den treuen Teilnehmerinnen und Teilnehmer meiner Yogastunden nicht auch eine online Alternative anbieten?

Nicht, dass mir dies schwerfallen würde, schließlich habe ich persönlich mit einem lediglich vorgestellten Publikum bei den Aufnahmen meiner CDs ausreichend Erfahrungen gesammelt (siehe dazu …). Meine Bedenken galten vor allem den Teilnehmern/innen meiner Gruppenstunde. Die meisten von ihnen haben eher weniger mit den neuen Medien zu tun. Und von den technischen Hürden mal ganz abgesehen, würden sie so eine digitale Aushilfe auch nur halbwegs als Ersatz akzeptieren? Aber probieren sollte man es wenigstens …

Die Überraschung war groß, als zu Beginn der ersten online Yogastunde ein/e Teilnehmer/in nach der dem/der anderen „Einlass“ in unseren virtuellen Übungsraum erbat. Fast alle, die sonst auch kommen, war da!

Was kann schon schiefgehen beim online Yoga?

Dass wir alle keine Profis im Umgang mit solchen neuen digitalen Werkzeugen sind, zeigte sich schnell. Verzweifelte Suche nach dem „Knopf“, der den Lautsprecher oder die Kamera einschaltet, Programmabstürze, lediglich ein Paar Zehenspitzen auf dem Bildschirm – der Rest durch die Kameraeinstellung abgeschnitten, oder die vorbeischleichende Katze kippt das Tablet um. Aber eigentlich ist das alles kein Problem und löst sich irgendwie entspannt auf. Inzwischen haben wir alle fast so etwas wie eine Routine entwickelt. Vor allem aber: niemand ist abgesprungen! Ganz im Gegenteil.

Erfahrungen mit online Yoga

Zu meiner eigenen Überraschung betrachten nun viele unser online Yoga als eine „lässige“ Sache, fast so gut wie die gewohnten Präsenzstunden. Stellvertretend hier ein paar Eindrücke:

Vor der ersten online Yogastunde waren wir etwas skeptisch. …. Jetzt müssen wir sagen, dass Yoga über Zoom für uns unerwartet gleichwertig ist mit dem „Präsenzyoga“. Auch die Entspannung am Ende gelingt richtig tief und sehr angenehm. Die Anleitung nur mit Worten gelingt äußerst gut, sodass man leicht in die richtige Stellung kommt. … Und es gibt unserer Ansicht nach auch Vorteile vom „Heimyoga“: (1) Nach der Entspannung ist man schon zu Hause und kann so noch genießen. (2) Mit der heimischen Umgebung ist es entspannter, da man sich nicht so beobachtet fühlt. … Das „Heimyoga“ ist sehr zu empfehlen!!!  – Anni und Christian

Anfangs hatte ich schon kurz Respekt vor online Yoga. Ich habe dann Zoom, den Anweisungen des Programms folgend, installiert – was eigentlich recht einfach geht. … Jetzt bin jetzt sehr froh, dass ich mich für „das Neue“ online Yoga entschieden habe. Ich hatte bereits viele Blockaden und Verspannungen. Jetzt nach den 5 oder 6 regelmäßigen Stunden fühle ich mich wieder gut. Und es hat sich bestätigt: die Regelmäßigkeit macht es aus! Ich bin jedenfalls sehr dankbar dafür, dass uns auf diese Weise Yoga ermöglicht wird und habe von der ersten Stunde an das Gefühl als wären wir alle in einem Raum beisammen. … Es hat durchaus auch Vorteile:  man muss nicht mehr bei jedem Wetter abends noch aus dem Haus. – Sieglinde

Vor der ersten online Yogastunde war ich sehr skeptisch, besonders gegenüber dieser „nicht natürlichen“ Art der Beziehung. … Jetzt kann ich meinen Eindruck mit einem einzigen Wort beschreiben: gewaltig! … Wir können in gewohnter Umgebung bleiben und die passende Atmosphäre selbst herstellen. So hätte ich mir das nie vorgestellt. Eigentlich ist das zu Hause fast besser als im Yogaraum. – Edgar

Bedeutet online Yoga ständig unter Beobachtung zu stehen?

Manch eine/r hegt vielleicht Bedenken gegen eine vermeintliche Dauerbeobachtung durch das anonyme Kameraauge. Ganz abgesehen davon, dass ich gar nicht jede/n Teilnehmer/in ständig genau verfolgen kann, ist das auch gar nicht nötig. Jeder kann mit einem Klick in seinem Zoom-Fenster die Kamera ausstellen, so dass ich (und die anderen) nur ein schwarzes Kästchen sehen. Dasselbe geht mit dem Mikro, was dann vorteilhaft sein kann, wenn in der eigenen Wohnung noch die Spülmaschine vor sich hin brummt oder im Nebenraum die Kinder laut spielen. Alles kein Problem. Meine Stimme, und damit die Anleitung, kommt weiterhin an.

 

Die Feldenkrais-Strategie macht online Yoga einfach

Ein Faktor, der er es uns so leicht macht, online unsere gewohnten Yogastellungen auszuführen, ist die Feldenkrais-Strategie (siehe dazu …). Auch in meinen Präsenzstunden mache ich ja so gut wie nichts vor. Stattdessen leite ich Bewegungen mit Worten an.

Vorteile eines feldenkrais-basierten Vorgehens beim Yoga

Nachdem man erst einmal die anfängliche Irritation überwunden hat, die mit diesem feldenkrais-basierten Vorgehen anfangs fast immer einhergeht, zeigen sich eine ganze Reihe von Vorteilen.

  • Wenn man der Bewegungsanleitungen durch eigenes Zuhören folgt, wird man quasi gezwungen, aufmerksamer in sich selbst hinein zu spüren, kurz sich selbst zu beobachten.
  • Damit bewegt sich auch der Hobby-Yogi in Richtung des eigentlichen Ziels aller Yogawege.
  • Aufmerksam, und vor allem ohne jeden Leistungsgedanken, sich selbst beobachten, ist der wichtigste Baustein von Achtsamkeit. Die wiederum ist meiner Ansicht nach nicht nur im Buddhismus wichtig, sondern auch beim Yoga. Ein feldenkrais-basiertes Vorgehen bereitet zumindest den Weg dahin.
  • Zusätzlich schütz ein solches Vorgehen vor Verletzungen durch Überforderung oder Unachtsamkeit. Es gibt noch weitere Vorteile, mit denen ich mich an anderer Stellen ausführlicher beschäftige (siehe dazu …) hier im Blog beschäftigen werde.

Yoga-Anleitung nicht durch Abschauen, sondern Zuhören

Ganz offensichtlich hat das Vertrautsein mit der Feldenkrais-Strategie aber nicht nur mir den Schwenk zum online Yoga erleichtert, sondern auch den Teilnehmer/in meiner Präsenzstunden. Diese kennen Yoga eigentlich nur so. Von daher ist es, von dem ungewohnten Ambiente einmal abgesehen, für sie egal, woher die Anleitung kommt.

So gesehen sind diejenigen im Vorteil, die auf die eine oder andere Art bereits mit Feldenkrais vertraut sind. Aber es muss keine wirklich unüberwindbare Hürde darstellen. Wenn man sich von vornherein darauf einstellt, der Anleitung durch Zuhören zu folgen anstatt durch Abschauen, gelingt es auch Feldenkrais Novizen, so Yoga zu praktizieren, zumindest als temporäre online Alternative. Und vielleicht geht dem einen oder anderen dabei auf, welche weiteren Vorteil damit verbunden sein könnten …

 

Gibt es eine Zukunft für online Yoga nach dem Ende der Pandemie?

Nach all den überraschenden Erfahrungen frage ich mich, ob das absehbare Ende der Pandemie gleichzeitig auch online Yoga wieder in der Versenkung verschwinden lässt? Hat diese unfreiwillige Erprobung eines neuen Mediums, vielleicht Erfahrungen mit sich gebracht, die für eine Fortführung sprechen? Auch für so etwas wie Yoga?

Vorteile von online Yoga

  • Wenn an manchen Abenden die Hürde groß ist, noch einmal das Haus zu verlassen und den Weg zur Yogahalle einzuschlagen, dann kann online Yoga diese Hürde vielleicht etwas senken.
  • Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass man nach der Endentspannung aufstehen kann, wann man will. Manchmal ist die Endentspannung sehr angenehm, so dass man gerne noch länger liegen möchte. Ok, vielleicht sogar (weiter)schlafen …

All das ist zu Hause kein Problem! Viel gewichtigere Gründe sehe ich aber an anderen Stellen.

  • Manch eine/r sucht vielleicht genau diese Art einer Yogastunde, die den Blick nach innen, die Selbstbeobachtung, fördert. Aber es gibt vor Ort kein entsprechendes Angebot. Online ist ein Mitmachen von überall aus möglich, also auch, wenn man nicht im Raum Innsbruck wohnt. Den Link zu meinen online Yogastunden findet ihr hier …
  • Und es gibt auch keine feste Raumgröße, welche die Teilnehmer/innenzahl limitieren würde.
  • Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, jede Yogastunde aufzuzeichnen bzw. zu speichern, so dass sie jederzeit, beliebig oft, von Interessierten abgerufen/gestartet werden kann. Das würde sich anbieten, wenn man den Live-Termin der Yogastunde verpasst hat oder weil man zusätzlich eine angeleitete Stunde machen möchte.

 

Fazit

Nach anfänglicher Skepsis gegenüber online Yogastunden überwiegt die positive Überraschung. Ich denke ernsthaft darüber nach, dann, wenn wir allerorts wieder in unsere vertrauten, gemeinschaftlichen Yogaräume zurückkehren, auch weiterhin online Yogastunden anzubieten. Zusätzlich.

Die entscheidende Frage ist, ob es dafür Bedarf gibt? Schreibt mir …

 

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