Bliss Yoga Centre im Jungel

Bliss Yoga Centre im JungelBegegnung mit einem richtigen Yogi

Ich war auf dem Weg zu meinem Yoga Sadhana Retreat im Himalaya. Doch als ich spät abends an die vermeintliche Eingangstür eines Ashrams klopfte, stellte sich heraus, dass ich bei der Suche nach dem Ort meiner geplanten Yogapraxis in der Tat einen Sivananda Ashram erreicht hatte. Mein eigentliches Ziel jedoch lag noch zwei Kilometer weiter lag und hieß Sivananda Kutir. Ich hatte mich bei der Adresse also etwas vertan. Aber jetzt in der Dunkelheit, sollte ich nicht weiter gehen, sondern hier übernachten.

Swami Premananda SaraswatiSwami Premananda, so stellte er sich vor, lebte damals in einem kleinen Haus – das war der ganze Ashram. Der bestand fast nur aus einem einzigen Raum, ergänzt durch eine abgetrennte Kochecke und eine winzige Schlafkammer. Es gab weder Tische noch Stühle. Das Essen, dass er mir umgehend anbot, aß ich also auf dem Boden sitzend und natürlich mit der Hand, was bei dem dünnen Dhal mit Chapati keine leichte Aufgabe war.

 

Die letzten Geheimnisse der Meditation

Wahrscheinlich passierte es ihm nicht jeden Tag, dass zu später Stunde jemand an seine Tür klopfte, und erklärte, er käme zur intensiven spirituellen Praxis. In jedem Fall begann Premananda schon bald, mir einfach zu erzählen. Er berichtete zunächst hingebungsvoll von großen Yogis, kam dann aber auf das Thema Meditation. Ich war wie elektrisiert: würde ich jetzt erfahren, was Meditation wirklich ist? Da hatte es mich zufällig zu einem wirklichen Yogi verschlagen und dann begann der auch noch von Meditation zu erzählen. Jetzt, so hoffte ich, erfahre ich die letzten Geheimnisse, ein mächtiges Mantra oder eine Technik, die unmittelbar einen anderen Bewusstseinszustand herstellt und zur Befreiung führt, zu Moksha, dem ultimativen Ziel jedes Yogis.

Schokokekse in der Meditation

Doch das, was Premananda bis dahin berichtete, war mir bekannt. Inzwischen war er bei seinen eigenen Erfahrungen angekommen. Nun ganz in sich selbst versunken, mit geschlossenen Augen; berichtete er: „Wenn ich in meiner Meditation, so wie jetzt, dasitze, tief versunken …“

Meine Anspannung stieg: Nun muss es kommen, das geheime Mantra, der letzte Kniff, … jetzt, jetzt. Premananda erzählte weiter: „ … wenn ich so dasitze, kommt es mir bisweilen in den Sinn …“ Er machte eine kurze Pause, so als würde er endgültig in Trance versinken. „ … Schokokekse, Schokokekse!“ Während dieser Worte schlug er sich mit der flachen Hand auf seinen Schenkel, riss die Augen auf und brach in herzhaftes Lachen aus!

Das Geheimnis der Meditation ist anders als ich dachte

Vielleicht ahnte Premananda meine Enttäuschung, vielleicht hörte er mein still ausgesprochenes „das ist alles?“. In jedem Fall sprach er weiter: „Ja, das passiert. Das ist eben so. Genauso selbstverständlich muss man dann seine Aufmerksamkeit, die eben noch laut nach Schokokeksen verlangt hat, wieder zurück bringen zur stillen Beobachtung. Das musste ich erst einmal verdauen. Da wähnte ich mich so nah dran, an den letzten Geheimnissen. Doch nun war ich möglicherweise doch nicht bei einem wirklichen Yogi gelandet. Andererseits konnte er tatsächlich recht haben, wonach das Geheimnis darin bestand, dass kein solches gibt? …

 

Ein richtiger Yogi lässt sich nicht verschaukeln

Inzwischen waren gut zwei Stunden vergangen. Doch diesem Mann ging offensichtlich die Lust am Erzählen nicht so schnell aus. Wieder schien er irgendwie meine Enttäuschung zu ahnen. Diesmal darüber, dass man scheinbar jede Art von Gedanken, auch die noch so banalen, als Mediation bezeichnen könne.

So, als wollte er mir gleichsam auf meine Gedanken antworten, begann er, von einem anderen Besuch von Westlern zu berichten. Die zwei jungen Männer waren aber nicht zufällig bei ihm gelandet, so wie ich. Vielmehr hatte man sie im Sivananda Ashram von Rishikesh, auf ihrer Suche nach einem wirklich richtigen Yogi, genau hierher geschickt.

Gedankenwellen ins Universum

Die beiden verbrachten ihre Tage auf den großen Steinen am Ganges Ufer, das nur zweihundert Meter entfernt liegt. Premananda wollte wissen, was sie denn dort machten? Worauf die beiden antworten: Gedankenwellen ins Universum schicken! An dieser Stelle brach Premananda wieder in herzhaftes Lachen aus, wobei er mehrmals wiederholte: Gedankenwellen ins Universum, Gedankenwellen ins Universum. Dann ergänzte er mit ernster Miene, dass er sie fortgeschickt habe. Sie sollten ihm nicht seine Zeit stehlen. Ganz offensichtlich wollte er ihnen zu verstehen geben: Gedankenwellen ins Universum? Verschaukeln könnt ihr jemand anders! Meditation ist durchaus harte, seriöse Arbeit.

Erste Lektionen

Das waren also zwei wichtige Lektionen, die mir dieser einfache Swami, wie er sich selbst bezeichnete, mit auf dem Weg gab:

  • Wirkliche Mediation bedarf keiner geheimen Kniffe. Ganz im Gegenteil, ich sollte keine überzogenen Erwartungen hegen, damit ein plötzlich auftauchender Gedanke an Schokokekse mich nicht aus der Bahn wirft.
  • Auf der anderen Seite ist Meditation auch keine phantasievolle, beliebige Träumerei. Wenn ich dem erliege, stehle ich mir am Ende nur selbst die Zeit – Zeit, die ich gebrauchen könnte, um ernsthaft zu üben.

In Premananda hatte ich offensichtlich jemanden getroffen, der ganz frei seine persönlichen Erfahrungen mit mir teilte, und das selbst dann, wenn sie nicht in das Bild eines fortgeschrittenen Yogis passten. Aber vielleicht war gerade das das Kennzeichen eines wirklichen Yogis? In jedem Fall markierte unser zufälliges Zusammentreffen erst den Anfang der Geschichte … (die Fortsetzung findet ihr hier)

 

 

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